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    Ju-Jutsu Bayern Seminar

    Interview 
    mit Jörn Meiners - JU-SPORTS & BUNDESTRAINER DES DJJV Jörn Meiners wurde am 26.05.1973in Nördlingen geboren und begann im Alter von 12 Jahren mit Judo und kurz darauf mit Ju–Jutsu. 1997 gewann er Gold bei den World Games Fighting in Lathi und 1998 die Weltmeisterschaft in Berlin der Gewichtsklasse bis 62kg. Er studierte Geisteswissenschaften und war danach als Landestrainer tätig, des Weiteren arbeitete er als Fitness- und Ernährungstrainer und betreibt ein Sportartikelgeschäft. Im Deutschen Ju-Jutsu Verband hat er den Posten des Bundestrainers der U21 der Damen inne.
    Interviewer: Eva Fuhrmann & Arne Zander, Physiotherapie Jahrgang 2020, Johannesbad Akademie GmbH Bad Elster
    Wie wurden Sie in Ihrer aktiven Zeit physiotherapeutisch betreut? 
    JM: Damals war das etwas anders als heute, es waren nicht immer Ärzte bei den Wettkämpfen dabei und so war der Sportler oft auf sich allein gestellt und musste eben selbst zum Arzt gehen in der Hoffnung ein Rezept zu bekommen. Heute ist das anders, wir im Verband haben ein Medizinisches Team von 8 Ärzten und circa 15 Physiotherapeuten, die uns bei Trainingslagern und Wettkämpfen betreuen. Das erleichtert die Akutversorgung und gibt dem Sportler eine Sicherheit, sodass er sich voll auf das Training oder den Kampf fokussieren kann.
    Welche Ernährungsprinzipien sind für Ihre Sportart relevant? 
    JM: Es handelt sich bei Ju-Jutsu um eine Schnellkraft Sportart, auch wenn Ausdauer und Koordination ebenfalls eine große Rolle spielen, muss das bei Ernährungsplänen beachtet werden. Das Trainerteam ist geschult in Ernährungsberatung für Sportler und hält dafür auch Ernährungsvorträge im Trainingslager sowie in der Wettkampfvorbereitung. Vor allem jungen Athleten muss man näherbringen, wie sich die Ernährung am Wettkampfmorgen evtl. auf den Kampf selbst auswirken kann. Weiterhin können unsere Athleten auch die Beratung im OSP in Anspruch nehmen, was auch ausgiebig gemacht wird. Eine Besonderheit bei uns ist natürlich, dass es sich um eine Gewichtsklassen Sportart handelt. Ohne eine qualifizierte Beratung riskiert man bei jungen Sportlern ggf. Essstörungen oder ein falsches Bewusstsein für gesunde Ernährung. Das sogenannte ,,Gewicht machen’‘, also das unkontrollierte und ungesunde Abnehmen vor Wettkämpfen unterbinden wir als Verband in unserer Jugend konsequent.
    Wie kamen Sie zu dem Sport?
    JM: Teile meiner Familie waren schon in Sportarten wie Judo, Karate und Ringen aktiv. Ich war ein schlankes und auch eher introvertiertes Kind und versuchte mich in Ballsportarten wie Basketball oder Fußball, konnte mich da aber nie wirklich durchsetzen. So entschloss ich mich circa 1985 in den Judoverein einzutreten und wechselte auch bald zu Ju-Jutsu. Nach ein paar Jahren kam mein damaliger Trainer zu mir, der schon selbst Deutscher Meister war und fragte, ob ich an einem Wettkampf U18 teilnehmen möchte. Diesen gewann ich und das dürfte der Grundstein für meine aktive Wettkampfkarriere gewesen sein.
    Hat der Sport gesundheitliche Spuren an Ihnen hinterlassen?
    JM: Definitiv! Durch die jahrelange Belastung litt mein Knie schon zeitig und im WM-Jahr kam es zum Riss des rechten Innenmeniskus, der daraufhin entfernt wurde. In der anschließenden Reha behandelte mich ein junger engagierter Physiotherapeut mit vorwiegendem Kraft- und Stabilitätstraining, wenn ich heute so daran zurückdenke, hat mir seine Behandlung mit zum WM-Sieg verholfen. Als Folge der Knie OP und des Sports wurde dann 2010 eine Gonarthrose im rechten Knie diagnostiziert und durch das veränderte Gangbild kam es später weiter zu Problemen in der Hüfte.
    Wenn Sie Ihren Sport damals aus gesundheitlichen Gründen nicht hätten fortsetzen können, wäre eine Ausbildung zum Physiotherapeuten alternativ gewesen?
    JM: Ja, ich war schon immer im sportlichen Bereich aktiv - auch neben meinem Sport. Ich habe mich schon früh für die gesundheitlichen Aspekte im Kampfsport und im Training interessiert und so wäre in diesem Fall eine Ausbildung zum Sport- oder Physiotherapeuten sehr attraktiv gewesen.
    Wir bedanken uns für das sehr informative und inspirierende Gespräch.